Kooperation zwischen Staat und Zivilgesellschaft

Beschreiben Sie, möglichst anhand eines prägnanten Beispiels, die Zusammenarbeit und die Rollenverteilung zwischen staatlichen Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Hamburger Unterstützungssystem für Geflüchtete. Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf, um die Situation der Menschen nachhaltig zu verbessern? Welche Herausforderungen gäbe es bei der Umsetzung?

Studierendenbeiträge:

Bei dieser Frage muss ich direkt an den Sommer 2015 denken – 1300 geflüchtete Menschen waren in den Messehallen untergebracht und durch das Engagement motivierter Nachbarngründete sich Refugees Welcome Karoviertel. Es wurden Deutschkurse und eine Kinderbetreuung organisiert, die Kleiderkammer gründete sich und wurde später zu Hanseatic Help. Medizinische Betreuung wurde organisiert, da die Bewohner der Messehallen nur durch einen Allgemeinmediziner und durch einen Kinderarzt versorgt wurden und es an anderen Fachrichtungen, wie z.B. Betreuung durch Psychologen oder speziell für Frauen fehlte. Darüber hinaus wurden Grill – und Sportfeste veranstaltet und all dies durch privates Engagement. Wäre dies weggefallen und es den Nachbarn egal gewesen in welchem Rahmen die Geflüchteten untergebracht werden, wären die Messehallen tatsächlich nur ein Dach über dem Kopf gewesen um Obdachlosigkeit zu vermeiden und die Menschen dort hätten einen noch tristeren Alltag als ohnehin schon gehabt. Da viele der Menschen nur mit der Kleidung nach Hamburg kamen die sie anhatten, war die Versorgung mit neuer Kleidung aber auch Handtüchern und Waschutensilien immens wichtig. Es war sehr beeindruckend zu sehen, in welcher Geschwindigkeit die Kleiderkammer sich vergrößerte, immer mehr Menschen vorbei kamen um Sachen zu spenden oder mitzuhelfen, Hamburger Firmen sich mit Sach- oder Geldspenden einbrachten oder selbst ganze Schulklassen tageweise zum Helfen vorbeikamen. Das hätte die Stadt Hamburg in dieser Größenordnung niemals nur mit Angestellten auf die Beine stellen können.

Dass diese Lücke in der Versorgung weiterhin besteht, sieht man daran, dass aus der Kleiderkammer mittlerweile der Verein „Hanseatic Help“ geworden ist, der weiterhin Geflüchtete aber auch Obdachlose, Frauenhäuser oder Kinderheime mit Kleidung versorgt und mittlerweile auch Hilfstransporte ins Ausland organisiert. Durch all diese motivierten Menschen, die sich im Sommer 2015 trafen sind viele tolle Projekte entstanden von denen viele weiterhin noch bestehen oder sogar ausgebaut wurden, sodass nun auch andere bedürftige Personen davon profitieren. Mit der Messehalle / Kleiderkammer gab es eine feste Anlaufstelle in der sich alle treffen konnten, die Lust hatten zu helfen. Ich denke, dass dies ein wichtiger Punkt ist, der es vielen Menschen einfacher gemacht hat sich zu engagieren. Hinkommen – Kreppband mit Namen drauf ankleben – mitanpacken. Es gab keine bürokratischen Hürden keine festen Sprechzeiten, jeder kam und blieb wann oder so lange er wollte. Vielleicht würde es Hamburg guttun, wenn die Stadt so ein „Hauptquartier“ einrichten würde mit dem man zumindest eine erste Anlaufstelle haben könnte, das Engagierte zusammenbringt und koordiniert wo Hilfe gebraucht wird und wer welche Hilfe leisten kann. Denn ich habe während meines Engagements gemerkt, dass es viele motivierte Menschen gibt, jedoch viele schlichtweg nicht wissen wohin sie sich wenden sollen.

(Beitrag von W.B.)

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