TeeMobil

Exkursion am 7. Dezember 2016

Standort 1: Erstaufnahmeeinrichtung Schnackenburgallee (Bahrenfeld)
Schnackenburgallee 81, 22525 Hamburg
Standort 2: Erstaufnahmeeinrichtung Grellkamp (Langenhorn)
Grellkamp 40, 22415 Hamburg

Sami, der Gründer des TeeMobil. Bildquelle: http://teemobil.de/

Exkursionsteilnehmerinnen: Sania, Silvie, Yasamin, Katharina, Emi
Kurzprotokoll: Cornelia

Das „Camp“ in der Schnackenburgallee ist riesig. Bis zu 3000 Bewohner/innen leben hier in Containern. Die Freiwilligen vom TeeMobil gehören schon fest zu dieser Erstaufnahmeeinrichtung. An der Pforte nahm uns ein Sicherheitsmann spontan an die Hand und begleitete uns über das Gelände.

Anders als wir erwartet hatten, besuchten an diesem Abend nicht die Erwachsenen aus dem Camp das TeeMobil, um ein Heißgetränk zu sich zu nehmen und miteinander oder mit den Ehrenamtlichen ein bisschen zu plaudern. Schon beim Aufbau des kleinen Büffets, beim Obstschneiden und Keksesortieren half eine ganze Horde Kinder.

Spontan abgefragt, waren an diesem Abend mindestens fünf Nationen vertreten – Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea… Viele Kinder leben schon seit einem Jahr in der Schnackenburgallee. Einige von ihnen besuchen eine Schule in Hamburg, sie würden aber gerne viel mehr Unterricht haben und viel mehr lernen.

Der Geräuschpegel entsprach der Gruppenzusammensetzung – und auch das Begleitprogramm, das in Bildermalen, Papierschnippeln und Kunstwerkekleben bestand. Wir waren sehr beeindruckt von den guten Deutschkenntnissen der Kinder – und der Ausdauer der Freiwilligen, die schon über viele Wochen das TeeMobil an diesem Standort betreiben.

Das Essen – Obst, Gemüse, Knabberzeug und Süßigkeiten – wird von großen Firmen, Biohöfen und Privatleuten gespendet. So gibt es jedesmal ein schmackhaftes und vitaminreiches Angebot für die jungen Gäste. Es wird insgesamt sehr auf Hygiene geachtet. Alle tragen Haushaltshandschuhe, wenn sie mit den Lebensmitteln umgehen. Jedes Kind darf sich eine kleine Tüte holen – unfassbar die (zugegeben kurzweilige) Disziplin, während sie in einer Schlange anstehen.

Nach anderthalb Stunden wurde mit vereinten Kräften alles abgebaut, der Boden und die Tische gereinigt, die Kinder zu ihren Eltern geschickt… ein kurzer, aber intensiver und quirliger Spuk.


Exkursion am 7. Dezember 2016

Jennifer, Sabrina, Lynn und Rayén in der Teeküche in Langenhorn

 

Exkursionsteilnehmerinnen: Svenja, Rainer, Sandra, Fennek Fox
Vor Ort standen uns die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen Liza, Norbert, Kerstin, Jan und Mustafa für Fragen zur Verfügung.

Was ist und was macht das TeeMobil?

Der Verein TeeMobil ev. wurde im Mai 2016, von Sami Khokhar in Hamburg gegründet. Bereits im September 2015 wurde Herr Khokhar auf die schlechten Umstände und lange Wartezeiten für ankommende Geflüchtete, in der zentralen Erstaufnahme in Hamburg Harburg, aufmerksam. Als Vorstand der Ahmadiyya Muslim Jamaat KdöR und ehrenamtlicher Helfer, war es ihm ein Anliegen, den Geflüchteten in Harburg ebenso zu helfen. Mit Einkochautomaten ausgestattet und mit Unterstützung von Anwohnern, konnte erstmalig Tee, Gebäck und Obst an Geflüchtete verteilt werden. Da das Angebot dankend angenommen wurde, weitete sich das Projekt auf weitere fünf Erstaufnahmen in ganz Hamburg aus. Die Ehrenamtlichen HelferInnen verteilen jeden Abend an verschieden Orten, warme Getränke, Süßigkeiten, Obst und Knabbereien an ca. 200-300 Geflüchtete pro Erstaufnahme. Das TeeMobil finanziert sich ausschließlich über Sachspenden und wird durch das hohe Engagement, ehrenamtlicher MitarbeiterInnen und durch die Annahme und Freude der Geflüchteten daran, am Leben erhalten.

Mit wem haben wir gesprochen?
Was ist seine/ihre Funktion?

In der zentralen Erstaufnahmen in Langenhorn hatten wir die Möglichkeit, sechs ehrenamtliche MitarbeiterInnen des TeeMobils zu interviewen. Das Team ist bunt gemischt, es setzt sich aus Leuten aus verschiedenen Alters- und Berufshintergründen zusammen,  selbst ein ehemaliger Bewohner der Erstaufnahme hilft vor Ort tatkräftig mit. Die anstehenden Aufgaben werden unter den anwesenden HelferInnen verteilt. Jeder tut was er kann und wo er/sie gebraucht wird. Die MitarbeiterInnen arbeiten Hand in Hand und waren sich keiner Arbeit zu schade.

Was haben wir erlebt, erfahren, mitgenommen?

Neu für uns war, dass sich die MitarbeitenInnen des TeeMobils nicht ausschließlich um die Ausgabe der Getränke und der angebotenen Speisen kümmern, sondern weit darüber hinaus auch mit den geflüchteten Kindern malen, spielen, sowie Gespräche und Spielabende vor Ort anbieten. Des weiteren kümmern sich die MitarbeiterInnen um das Abholen der Spenden, den Abwasch, die Zubereitung der Heißgetränke und um die Einarbeitung der neuen Helfer. Den HelferInnen ist ebenso hoch anzurechnen, dass sie den Aufenthaltsraum der Erstunterkunft komplett neu ausgestattet haben und diesen sehr freundlich und einladend gestaltet haben.

Es findet ein kultureller Austausch statt und das haben wir auch zu spüren bekommen. Wir haben das Gefühl vermittelt bekommen, dass das Ganze sehr organisiert und geplant abläuft und alle Seiten davon profitieren konnten.

Am überraschendsten war wohl die aktive Mitarbeit vor Ort für uns Teilnehmer gewesen. Wir waren uns im Vorfeld darüber nicht bewusst, dass wir dort die Möglichkeit bekommen, uns zumindest für einen Abend mit einbringen zu können. Auch die rege Anteilnahme, Herzlichkeit und Offenheit der Geflüchteten und MitarbeiterInnen war beeindruckend. Faszinierend, dass so viele Geflüchtete diese Möglichkeit angenommen haben und dass die HelferInnen ihre Unterstützung, vollkommen bedingungslos geben. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und besonders die Kinder haben uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern können!

Am Ende der Exkursion sind dennoch ein paar Fragen unbeantwortet geblieben. Bekommt das TeeMobil seine Sachspenden ausschließlich von Privatpersonen, oder gibt es Supermärkte, Initiativen und Vereine, die regelmäßig größere Mengen spenden? Auch auf meine Frage, ob es nicht sinnvoll wäre , auf abwaschbare Plastikbecher und Teller umzusteigen, anstelle von Einmalgeschirr zu verwenden, gab es keine Antwort.

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