Irgendwo zwischen Heimat und Willkommen

Der Rückblick auf den interkulturellen Abend im November 2017 lässt den grauen Januar erstrahlen: Schon seit einiger Zeit hatten Said und ich einen Kochabend geplant. Bisher scheiterte es leider immer an Zeitmangel. Eines stand allerdings fest – wir wollten „Ghorme Sabzi“ kochen. „Ghorme Sabzi“ ist ein traditionelles, iranisches Gericht, das aus Bohnen, Kräutern und Lammfleisch besteht. Ähnlich wie ein Eintopf kocht „Ghorme Sabzi“ ziemlich lange und wird mit verschiedensten Gewürzen verfeinert.

Wir trafen uns also an einem Dienstagabend und schmiedeten einen Plan. Wir erstellten eine Facebook-Veranstaltung, die sich schnell auf einen Umfang von circa 30 Leuten erweiterte. Per Zusage war man verbindlich angemeldet, so dass Said und ich die Menge der Lebensmittel abschätzen und einkaufen gehen konnten. Gemeinsam mit Farhad, einem guten Freund von Said, machten wir uns also auf den Weg zum Steindamm. Said und Farhad wählten die Zutaten für das Essen sorgsam aus und bewerteten mit kritischen Blicken die Qualität der einzelnen Waren. Mit voll gepackten Einkaufstüten liefen wir nach Hause.

Am nächsten Tag begann die Kochsession. Ich versuchte Said und Farhad so gut es ging zu helfen, doch nach relativ kurzer Zeit stellte sich das als unmöglich heraus. Said und Farhad wechselten sich in performanceähnlichen Bewegungen mit Gemüseschneiden, Rühren und Reiskochen ab, bis der Raum einen wunderbar würzigen Duft erhielt. Nach ganzen vier Stunden war das Essen fertig.

Der Raum war bis zum Anschlag gefüllt mit Freunden, jungen und alten Gästen, Iraner*innen und Deutsche, Student*inne und Arbeiter*innen. Said, Farhad und ich verteilten das Essen auf Papptellern und leerten im Handumdrehen drei große Töpfe Ghorme Sabzi. Am Ende saßen wir zu dritt inmitten von leuchtenden Augen, begeisterten Gästen und Wortfetzen irgendwo zwischen Heimat und Willkommen.

Ich habe selten so einen wunderschönen Abend wie diesen erlebt. Wir hatten es geschafft, 30 verschiedene Leute (von denen sich die Hälfte zum ersten Mal dort traf) zusammenzubringen und eine fast familiäre Atmosphäre zu erzeugen. Am Ende waren alle glücklich und freuen sich jetzt schon auf den nächsten interkulturellen Kochabend.

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