Exkurs: Wie funktioniert das mit den Rücküberweisungen von Deutschland nach Eritrea?

Ein Eritreer berichtete uns vor Kurzem in vertraulicher Weise, wie er Geld an seinen Vater in Eritrea transferierte. Es gebe eine Gruppe von jungen Eritreern in Hamburg, die sich auf inoffizielle Finanztransaktionen von Deutschland nach Eritrea spezialisiert haben. Man ruft eine dieser Personen an und macht einen Termin. Man übergibt ihr das Geld in bar, z.B. 100.- €, zusammen mit einer Notiz mit Namen und Angaben zu telefonischer Erreichbarkeit des/r Geldempfänger/s in Eritrea.

Für 100.- € bekommt man derzeit (Stand: Januar 2017) umgerechnet 2,500 Nakfa (= Landeswährung Eritreas). Würde man zu einem offiziellen Geldwechselbüro (z.B. Western Union) gehen, würde man weitaus weniger Geld transferieren, derzeit ca. 1,500 Nakfa (siehe untenstehende Grafik).

In Eritrea erhalten die Begünstigten dann einen kurzen Anruf mit der Nachricht „Herr/Frau XY hat aus Deutschland Geld für Sie angewiesen. Kommen Sie zur Uhrzeit XY an den Ort XY in Asmara (oder einer anderen Stadt in Eritrea wie Massawa, Tesseney, …). Dort werden Sie einen Mann sehen, der Kleidung XY trägt. Sprechen Sie ihn an und zeigen Sie ihm ihren Ausweis zur Authentifizierung.“ Folgt der Begünstigte den Anweisungen, bekommt er das Geld in bar (Nakfa) ausgehändigt.

Es gibt keine Quittung, keine Transaktionssteuerzahlung und auch keine offiziell ausgewiesene Servicegebühr. Das Risiko für das Gelingen der „Überweisung“ liegt also beim Einzahler in Deutschland. Er muss auf das Funktionieren des Netzwerkes seiner lokal ansässigen „Finanzdienstleister“ vertrauen. Aber er profitiert auch von diesem informellen Markt, denn Angebote anderer (offizieller) Anbieter für diesen Service sind vergleichsweise schlecht.

In Eritrea sei diese Geschäftspraxis offiziell illegal. Gleichwohl wisse jeder, dass es diese Geldtransfer-Netzwerke gibt, und man vermutet, dass auch die eritreische Regierung ihre Finger im Spiel hat und Teile dieser Netzwerke kontrolliert. Die richtigen Namen der involvierten Personen kennt weder der Überweisungsgeber noch der Geldempfänger in Eritrea.

Dieses sogenannte Hawala-System ist z.B auch beim Geldtransfer nach Somalia, Sudan, etc. weit verbreitet.

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