MSO für Eritreer (Zwischenstand, Juni 2017)

Während der Arbeit mit Geflüchteten in der Refugee Welcome Lounge (Welcome to Hamburg Barmbek https://www.welcome-to-barmbek.de/termine/woechentliche-lounge-termine/ ) ist die Idee aufgekommen, die geflüchteten Eritreer, die zweimal in der Woche die Möglichkeit haben zur Beratung in die Einrichtung zu kommen, besser in die Stadt/ den Stadtteil Barmbek einzubinden.

Die Primärfragen, die aufkamen: Wo sind die eritreischen Organisationen/ Einrichtungen? Wieso arbeiten sie nicht mit uns zusammen, bzw. mit den Geflüchteten? Wieso arbeiten sie nicht untereinander zusammen?

Daraus haben wir (UMC und ich, LSN vom Projekt „Interkultureller Austausch“) das Ziel formuliert, die Geflüchteten aus Eritrea stärker sozial und kulturell in Hamburg einzubinden, was unserer Idee Vermutung nach am besten in Kooperation mit bereits Eingegliederten aus Eritrea (die vermutlich speziell in den 1990er Jahren ihr Land verlassen haben) geschehen kann.

Zu allererst habe ich mir vorgenommen, mir einen Überblick über die bereits existierenden Organisationen und ihre Strukturen zu verschaffen, sowie mit unterschiedlichen Geflüchteten persönlich zu sprechen.

Eine weitere Anlaufstelle war RAI-Vision: Verein von Geflüchteten für Geflüchtete aus Eritrea e.V. (lat. Vision) eine Migrantenselbstorganisation (MSO), die sich vor ungefähr zwei Jahren aus der Initiative von A. und G. gegründet hat. Diese Gruppe trifft sich seitdem jeden Samstag, von 10:00-15:00 Uhr und bietet in ihrer „offenen Stunde“ Unterstützung bei den Deutschhausaufgaben, rechtlichen Fragen und Problemen an. Mittlerweile sitzen A. und I. im Vorstand, und Y. ist der Buchhalter. Die RAI wird inzwischen regelmäßig von 20-30 Geflüchteten aus Eritrea/ Äthiopien besucht. Ich habe erfahren, dass einer der Beweggründe der MSO, weshalb sie sich nicht verwurzelten Gruppen in Hamburg angeschlossen haben, die unterschiedlichen politischen Ansichten der Geflüchteten waren.

Eine weitere Anlaufstelle war der im Jahr 2015 gegründete Verein „FANUS“, der sich auf die Integration von Flüchtlingen aus generell Ostafrika spezialisiert hat. Zusammengefasst bietet FANUS soziale Beratung, Behördenbegleitung, rechtliche Beratung sowie Bildungsangebote, d.h. Integrations- und Nachhilfekurse an. Nach dem Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Vereins habe ich einen ersten Eindruck von deren Arbeit bekommen. Jedoch bleiben weiterhin Fragen offen, die ich bis jetzt nicht klären konnte. Zum Beispiel wusste die Mitarbeiterin nichts über die sogenannte Zwangssteuer, die die Eritreer aus dem Ausland an die eritreische Regierung zahlen müssen (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/eritreer-in-deutschland-von-wegen-freiheit-14220957.html ).

Über Kontakte habe ich L. kennengelernt, die bereits vor fünf Jahren aus Eritrea nach Hamburg gekommen und inzwischen eingebürgert ist. In unserem Gespräch hat sie über ihre persönlichen Erlebnisse, die allgemeine Situation in Hamburg und ihren Alltag berichtet. Abgesehen von ihrem langen, beschwerlichen Weg nach Hamburg, hat sie mir von ihrem Engagement für ihre Verwandten erzählt. Letztendlich hat sie aufgehört sich für sie einzusetzen (was mir zunächst viele Fragen aufgeworfen hat). Später hat sie mir erzählt, dass es über die Zeit zu sehr an ihren Kräften gezehrt hat und sie verstärkt ihren Fokus auf „die Integration“ ihrer Kinder legen möchte. Ein Erlebnis mit ihren Verwandten war zum Beispiel die Problematik der Zeit und Zuverlässigkeit. Sie hatte zum Beispiel für den Karfreitag ihre gesamten nachgezogenen Verwandten rechtzeitig zum Essen eingeladen. Nachdem sie viele Stunden für die Vorbereitung verbracht und auf ihre Gäste gewartet hatte, meldeten die sich bei ihr telefonisch und sagten ab. Diese Situation war für Lea persönlich eine große Enttäuschung, nach all ihrer Hilfe, die sie ihnen geleistet hatte.

Es war resümierend ein sehr emotionales Gespräch, und ich habe viele Impulse für mich mitnehmen können. Beispielsweise, dass das Thema Zeit und Absprachen in anderen Kulturen (Eritrea) nicht so wie in Deutschland funktioniert. Und ich für meine zukünftige Arbeit mit einer größeren Flexibilität und Spontanität herangehen sollte. Wichtig für eine gute Zusammenarbeit ist, glaube ich, das gegenseitige aktive Zuhören und die Begegnung an sich.

Von L. habe ich einen weiteren Kontakt zu einem Geflüchteten aus Eritrea bekommen. F. ist erst vor ca. zwei Jahren über die Mittelmeerroute nach Hamburg gekommen. Er hat mir über seine Flucht durch die Sahara, über Italien nach Deutschland erzählt und warum er sich bisher keiner Organisation in Hamburg angeschlossen hat. F. besuchte bis jetzt einen Sprachkurs. Jedoch kommt er nicht weiter voran, da ihm die Kenntnisse fehlen, um die praktische Prüfung zu bestehen. Zudem wartet er darauf einen Job zu bekommen, doch irgendetwas hindert ihn daran.

Er berichtet mir im Verlauf des Gesprächs, dass die diktatorische Regierung in Eritrea versucht das Volk zu unterdrücken und „dumm“ zu halten (die Universität wurde abgeschafft). Mein Eindruck aus unserem Gespräch war, dass er zum Teil überfordert ist, auf einmal so viel für sich selbst zu planen und zu organisieren, an einem fremden Ort, in einer fremden Sprache.

Diese persönlichen Eindrücke und gesammelten Recherchen haben mir für den ersten Schritt in meinem Projekt sehr geholfen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass großes Potential besteht eine MSO für die (jetzigen) Geflüchteten aus Eritrea zu gründen. Mein Anliegen ist es nun, die Rahmenbedingungen ausfindig zu machen und einen Ort zu organisieren, der für die Idee einer Gründung und einer Zusammenkunft bereitsteht. Darüber hinaus möchte ich als Mediatorin zwischen den öffentlichen Einrichtungen und den Geflüchteten wirken.

Detaillierte, interessante Informationen über die politische Lage in Eritrea gibt es beispielsweise auf den Seiten von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.