Mitarbeit in IVK (Zwischenstand, Juni 2017)

Hürden und Schwierigkeiten

Die eigentliche Aufgabe der IVK ist eine Integration in die Regelklassen und hauptsächlich auf den Unterrichtsstoff bezogen. Jedoch ist die Umsetzung unglaublich schwierig und mit vielen Hürden verbunden, die bewältigt werden müssen. Betrachtet man allein die Unterrichtsgestaltung, ist diese schon eine Herausforderung. Es muss ein Unterricht gestaltet werden, der individuell auf das Niveau der Schüler/innen anpassbar ist, denn die Sprachkenntnisse und auch Mathematik-, Politik- und allgemeinen Lernkenntnisse driften weit auseinander!

Schon durch diese Ausgangssituation wird der Unterricht stark eingeschränkt und ist er schwer zu organisieren. Neben dem Unterricht bestehen, wie auch in den Regelklassen, die alltäglichen Probleme und Streitereien. Besonders in dem Alter von 14-15 Jahren, wo die Schüler/innen sich in einer besonderen Entwicklungsphase befinden. Es kam erst letzte Woche zu Auseinandersetzungen, wobei sie sich gegenseitig mit stark beleidigenden Schimpfwörtern, in ihrer eigenen Sprache, beleidigt haben. Hier besteht meistens das Problem, dass es oft im Stillen geschieht, da die Lehrer/innen die Sprache nicht verstehen und auch nicht, wie miteinander kommuniziert wird. Wenn es dann herauskommt, bestehen weiter Kommunikationsschwierigkeiten, sowohl zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen, aber manchmal auch zwischen den Schüler/innen der Klasse untereinander. Dies macht den Klärungsprozess deutlich aufwändiger. Die Schule hat, als Unterstützung, die Rolle einer Kulturvermittlerin, die bei besonders schweren Fällen dazu geholt wird, um zu moderieren. Auch ich übernehme öfter diese Rolle, selten bei Streitfällen, aber in der Vermittlung von wichtigen Informationen, meist organisatorischen Dingen.

Neben der aufwändigen Unterrichtsgestaltung und den alltäglichen Problemen in der Klasse, kommt die schwierige private Lebenssituation der Schüler/innen hinzu, die auch ihr Verhalten in der Klasse stark beeinflusst. So können öfter Schüler/innen nicht zum Unterricht erscheinen, da sie ihre Eltern zu Terminen begleiten müssen.

Momentan habe ich einen Schüler, der auch im Unterricht weit zurückhängt, da seine Situation äußerst schwierig ist. Er kommt aus Afghanistan und wurde bereits aus Schweden abgeschoben. Seine Familie versucht es nun in Deutschland, aber auch hier sind die Chancen gering. Er ist unmotiviert und sieht keinen Sinn mehr zu lernen oder überhaupt etwas zu machen. Ich komme mit diesem Schüler an meine Grenzen. Ich kann seine Situation gut nachvollziehen und auch ich hätte keine Lust in die Schule zu gehen und zu lernen, aber ich muss meinen Aufgaben auch nachkommen und den Unterrichtsstoff, der mir gegeben wird, durchführen. Weiter bemerke ich, dass es schwer ist einen persönlichen Abstand zu halten, denn ich bin zu einer seiner Bezugspersonen in der Schule geworden, der er seine Probleme anvertraut. Ich fühle mich meist verpflichtet etwas zu unternehmen und ihn bei seinen Schwierigkeiten zu unterstützen, was mich jedoch in eine überforderte Situation bringt. Zum Glück ist die Klassenlehrerin sehr engagiert und erfahren, sodass sie mich hierbei entlasten kann.

Ich bemerke immer wieder, dass es in dieser Klasse nicht nur um Unterricht geht und gehen kann, da viele weitere Faktoren bestehen und den Unterricht einschränken. Diese müssen ebenfalls beachtet und bearbeitet werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.