DRK Erstaufnahme Stellingen

Unsere vorerst letzte Exkursion führt uns in eine Erstaufnahme des DRK in der Vogt-Kölln-Straße in Stellingen. Dabei handelt es sich um eine von drei verbliebenen Erstaufnahmen des DRK. Drei der ehemals sechs Einrichtungen wurden bereits geschlossen, da weniger Menschen in Hamburg ankommen, andere in Folgeunterkünfte oder zu ihrer Familie ziehen, und wieder andere im Rahmen des Dublin-III-Verfahrens oder durch Abschiebungen Deutschland verlassen müssen.

„Wir sind eine kleinere Unterkunft. […] Bei über 300 Personen wird es eng“

Es empfängt uns Dirk Zieciak, der Leiter der Einrichtung, und führt uns zunächst über das Gelände: Ursprünglich waren die vier Container-Wohnmodule auf maximal 500 Personen ausgelegt, mittlerweile können dort maximal 350 Personen unterkommen. 290 Bewohner/innen fasst die Erstaufnahme zum Zeitpunkt unseres Besuchs. Grund für die Reduktion der Kapazitäten sind Gemeinschaftsräume, welche als Rückzugsorte speziell für Kinder, Frauen und Männer eingerichtet wurden.

Bei den Bewohner/innen handelt es sich um 219 Männer und 72 Frauen („ein klarer Männerüberschuss“), unter denen besonders viele junge Menschen sind, jedoch keine unbegleiteten Minderjährigen. Sie kommen unter anderem aus Afghanistan, Syrien, dem Irak, Iran, Eritrea und der Russischen Föderation (Auflistung nach abnehmender Anzahl). Herr Zieciak spricht vom vielfältigen Bildungshintergrund der Bewohner/innen: „Akademiker bis Analphabeten“.

Neben den Wohnmodulen bestehen ein Kantinen- und Klassenraummodul, ein Wasch- sowie ein Arztcontainer. Im Kantinenbereich wird dreimal täglich Essen durch einen externen Cateringdienst serviert, außerdem dient die Kantine als Aufenthaltsbereich, in welchem ein Fernseher und WLAN zur Verfügung stehen. Darüber sind zwei Klassenräume untergebracht, in denen die in der Einrichtung wohnenden Kinder beschult werden. Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ist zudem ein Kindergarten eingerichtet.

Im Arztcontainer stehen dreimal pro Woche Ärzt/innen zur Verfügung, die mittels Videokonferenz zu medizinisch geschulten Dolmetscher/innen verbunden werden können. Außerdem ist einmal pro Woche eine Hebamme vor Ort und drei Psychologinnen stehen für eine – wenn auch rudimentäre – traumatherapeutische Behandlung bereit. In diesen wie in anderen Situationen unterstützen etwa zehn Dolmetscher/innen, die als Honorarkräfte tätig sind.

„ein multiprofessionelles Team“

Auch die Büros der Mitarbeiter/innen sind in Containern auf dem Gelände untergebracht. Insgesamt 17 festangestellte Mitarbeiter/innen sind hier tätig: Sozialarbeiter/innen, Haustechniker/innen, eine Ehrenamtskoordinatorin sowie Herr Zieciak. Letzterer ist sichtlich stolz auf die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter/innen, die unter anderem aus den Bereichen der Kultur- und Islamwissenschaften sowie der Soziologie kommen.

„großes ehrenamtliches Angebot“ – „Lach-Yoga war der Renner“

Neben diesen Mitarbeiter/innen sorgen Ehrenamtliche für ein vielfältiges Programm, das die Bewohner/innen nutzen können. So finden Deutschkurse, ein Kindertreff oder auch ausgefallenere Angebote, wie Lach-Yoga, statt. Außerdem besteht die Möglichkeit, an Projekten außerhalb der Einrichtung teilzunehmen, die häufig durch Vereine und Kirchen gefördert werden. Herr Zieciak hält diese Angebote außerhalb der Einrichtung für besonders wichtig, da sie die Integration der Bewohner/innen begünstigen.

„Konflikte wie unter Nachbarn“, doch „insgesamt ist es hier ruhig“

Auch auf das Konfliktpotential, welches das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen auf engem Raum und unter so schwierigen Umständen birgt, kommen wir zu sprechen. Das Unterkunftsmanagement versucht, die Situation der Bewohner/innen durch die Belegung der Container möglichst angenehm zu gestalten, so beispielsweise durch die Zuteilung größerer Container an Familien. Doch Konflikte lassen sich nicht vermeiden: Meist sind es Konflikte, wie sie unter Nachbarn entstehen, beispielsweise Streit um Lärm. In seltenen Fällen sind die Konflikte politischer oder religiöser Natur.

Die Arbeit in der Einrichtung: „Lust und Frust“

Einen stetigen Streitpunkt zwischen Bewohner/innen und Einrichtungsleitung stellt, so wird im Gespräch schnell klar, das durch Brandschutz begründete Verbot, in den Containern zu kochen, dar. Solche „trivialen“ Konflikte des Arbeitsalltags, wie auch die Arbeit mit Bewohner/innen, die im Rahmen ihrer Asylverfahren auf zahlreiche Schwierigkeiten stoßen, machen die Arbeit in der Erstaufnahme anstrengend. Doch Herr Zieciak hat offenbar Freude an seiner Arbeit, die er als „unheimlich vielschichtig“ bezeichnet.

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