Die Mutter sagte: „Geh!“

Heute sind wir in Bischofsheim angekommen. Ich habe heute so eine Antriebslosigkeit in mir. Das wechselt von Tag zu Tag. Manchmal siegt die Hoffnung und ich habe ein gutes Gefühl, wie alles weitergeht und denke, irgendwann muss es doch einfach wieder gut sein. Doch was bedeutet „gut“? Ein „gut“ wie Zuhause wird es nicht mehr geben – schon allein, weil Mama nicht dabei ist. Wann werde ich sie wiedersehen? An einem Tag wie heute wird mir einfach alles zu viel. Schon wieder eine Veränderung – alles verändert sich gerade, nichts bleibt. Die einzige Konstante ist Papa, doch auch bei ihm merke ich immer mal wieder eine Hoffnungslosigkeit, die er versucht zu überspielen. Ich denke, mir zuliebe bleibt er stark. Und er ist auch der Grund, warum ich mir immer wieder sage: Bleib stark, gib nicht auf! Er hat ja auch niemanden außer mir.

Schon wieder eine komplett fremde Umgebung – fremde Menschen, die mich nicht kennen. Und auch hier weiß ich nicht, wie lange ich bleibe. Kann ich vielleicht hier irgendwann zur Schule gehen? Mir ein Leben aufbauen? Freunde finden?

Diese Ungewissheit ist das Schlimmste. Als Kind macht man sich keine Gedanken darüber, was sein wird. Man denkt vielleicht bis zur nächsten Woche. Wenn man älter wird, wird auch die Zukunft wichtiger und irgendwie größer. Doch solange ich noch zur Schule gegangen bin, war meine einzige Sorge mein Abschluss, meine Freunde. „Was mache ich danach?“, waren Gedanken, mit denen ich mich noch nicht sonderlich auseinandergesetzt habe. Ich wollte studieren – Jura –, doch das war‘s auch schon mit den Zukunftsplänen. Nun ist alles ganz anders – so, wie ich es mir nie vorgestellt habe oder hätte vorstellen können.

Ich vermisse nicht nur meine Mutter, auch unsere Wohnung, meine Freunde und Familie, die Umgebung, meine Schule – mein Zuhause.

Ich hoffe, morgen wird wieder ein Tag, an dem ich hoffnungsvoller sein werde. Und nicht aufgeben will. Stärke zeige. Für mich. Und meinen Vater. Und meine Mutter, die mir den Antrieb gab, damit es mir möglich ist, eine Zukunft zu haben.

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