Rückblick auf ein erfolgreiches halbes Jahr – die Suche nach eigenem Wohnraum geht weiter

Zum Jahreswechsel wurden die Gebühren für das Wohnen in einer öffentlich-rechtlichen Unterkunft (örU) von 141 € auf 587 € pro Person und Monat angehoben. Mein Mentee teilt sich ein ca. 15m² großes Zimmer mit einem Mitbewohner. Küche und Bad teilt er sich mit dem ganzen Flur.

Zum Vergleich: Für mein Zimmer in einer 2er-WG mit großer Küche, Bad und Balkon zahle ich 370 € monatlich. Wie absurd die Höhe der Gebühren in den örU ist und wie es dazu gekommen ist, wurde ausführlich in den Medien diskutiert (siehe zum Beispiel: Die ZEIT: Ein halbes Zimmer für 587 €, online unter: http://www.zeit.de/2018/03/unterkuenfte-fluechtlinge-kosten-sozialarbeit-wachdienst, 09.02.2018). Das Foto von einem Raum in einer örU in Hamburg, das den Artikel in der ZEIT schmückt, ist übrigens deutlich schöner als die Räumlichkeiten der Unterkunft, in der mein Mentee wohnt.

Meinem Mentee stehen monatlich 650€ (Ausbildungsvergütung + Berufsausbildungsförderung (BAB)) zur Verfügung. Momentan ringen wir auf Grund von bürokratischen Hürden darum, dass mein Mentee „nur“ die ermäßigte Gebühr von 210 € monatlich bezahlen muss.

Fast noch schwieriger als das Zuständigkeitswirrwarr zu durchblicken war, meinem Mentee zu erklären, dass er monatlich deutlich mehr Geld für ein- und dieselbe prekäre Wohnsituation bezahlen soll. Da seit dem Trägerwechsel Ende letzten Jahres der Gemeinschaftsraum in seiner Unterkunft geschlossen wurde, steigt der Druck eigenen Wohnraum zu finden. Dieses Ziel haben wir innerhalb der Projektzeit nicht erreicht, da andere Dinge Priorität hatten.

Zum Abschluss die Erfolge des vergangenen halben Jahres:

  • Wir haben eine Vertrauensbeziehung aufgebaut.
  • Ich habe sein Umfeld kennengelernt (Salon, Berufsschule, Sozialmanagement, Unterkunft, Anwältin, Freunde)
  • Regelmäßiger Kontakt zum Salon, zum Sozialmanagement und zur BAB-Sachbearbeiterin konnte aufgebaut werden.
  • Er hat psychische Krisen durchgestanden und erste Unterstützung entgegengenommen.
  • Wir konnten mit Hilfe der Antidiskriminierungsberatungsstelle sein Recht erstreiten zum günstigeren Azubi-Konto wechseln zu können.
  • Er hat einen Schwimmkurs absolviert.
  • Wir haben angefangen Ordnung in seine Unterlagen zu bringen.
  • Er hat das Asylverfahren überstanden und wird einen Aufenthaltstitel bekommen.
  • Er hat einen Nachhilfelehrer bekommen.

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