Author Archives: Nele Deutschmann

Fahrradkurs von Frauen für Frauen (Zwischenstand, Juli 2017, Team 1)

Am Mittwoch den 28.06 haben wir uns mit unserer Gruppe am Wilhemsburger Rathaus getroffen. Es kamen zwei Frauen zum Fahrradfahren, die wir durch die Besuche bei den Unterkünften kennengelernt haben. Sie waren sehr interessiert mit uns Fahrrad fahren zu lernen. Eine hatte schon Erfahrungen mit dem Fahrrad, aber die andere leider nicht.

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MSO für Eritreer (Zwischenstand, Juli 2017)

Nach dem letzten Stand hat sich einiges entwickelt. Ein paar der Eritreer, aus der Welcome Lounge, sind auf mich zugekommen und haben von sich aus nach Unterstützung gebeten eine Organisation zu gründen. Diese Eigeninitiative habe ich begeistert in meine bis dato getätigten Recherchearbeiten aufgenommen und in den Räumlichkeiten der Welcome Lounge ein Treffen mit allen Interessierten organisiert. Bei unserem ersten Treffen kam heraus, dass das Ziel dieser Migrantenselbstorganisation (MSO), eine politische Positionierung gegen das Regime in Eritrea sein sollte. Damit konnten wir weiterarbeiten.

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Landesbetrieb Erziehung und Bildung (LEB): Kinder- und Jugendnotdienst (KJND)

Am 16. Juni 2017 besuchten wir die Erstaufnahme des Kinder- und Jugendnotdiensts (KJND) in der Feuerbergstraße. Es empfingen uns Ilsabe von der Decken, Leiterin des KJND, und Hans-Peter Steinhöfel, Leiter der Jugendhilfeabteilung Flüchtlinge.

KJND und Jugendhilfe Flüchtlinge sind Abteilungen des Landesbetriebs Erziehung und Beratung (LEB). Der LEB ist ein kommunaler Träger und der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) untergeordnet.

Der KJND ist für die Inobhutnahme sämtlicher minderjähriger Hilfebedürftiger zuständig, der „Fachdienst Flüchtlinge“ des LEB für die Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) sowie für alle jugendamtlichen Aufgaben während der Inobhutnahme einschließlich ihrer Beendigung. Die Versorgung der UMA ist durchfinanziert, richtet sich also nicht wie in anderen Versorgungsbereichen nach der Belegung von Plätzen in der Einrichtung.

Unsere Gastgeber schildern uns das reguläre Verfahren nach der Ankunft eines unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Hamburg.

  1. Station: Vorläufige Inobhutnahme durch den KJND

Zunächst erfolgt die vorläufige Inobhutnahme durch den KJND in der Feuerbergstraße. Es wird entschieden, ob die Person in Hamburg bleibt, das Alter und die Fluchtstationen überprüft. Dass es sich bei der Altersfeststellung um ein streitbares Thema handelt, scheint uns allen bewusst zu sein. Auch Stahlhöfel nennt es ein „schwieriges Thema“, sagt aber dennoch, der Prozess sei „gut und relativ gerecht“. Die korrekte Feststellung des Alters ist erforderlich, da die Minderjährigkeit im aufenthaltsrechtlichen Verfahren insbesondere im Rahmen des erkennungsdienstlichen Verfahrens eine Rolle spielt. Für eine Inobhutnahme müssen die Voraussetzungen minderjährig/unbegleitet erfüllt sein.

Wie läuft das Altersfeststellungsverfahren ab?

Wenn die Beurteilung nach der äußeren Erscheinung Zweifel an der Minderjährigkeit zulässt, wird unter Beisein eines Dolmetschers eine Befragung durchgeführt, um die Biografie der Person zu überprüfen. Bestehen danach noch immer Zweifel, können medizinische Untersuchungen herangezogen werden, wie z.B. das Röntgen des Kiefers. „Dabei muss das Verfahren der Alterseinschätzung auf der Grundlage ethisch und wissenschaftlich vertretbarer Methoden erfolgen und zudem rechtsstaatlichen Grundsätzen genügen.“ (http://www.b-umf.de/de/themen/altersfestsetzung; vgl. auch die Broschüre „Alterseinschätzung – Verfahrenskriterien für eine kindeswohlorientierte Praxis (Juni 2015)“) In jedem Fall, so betont von der Decken, werde großzügig zum Vorteil der Geflüchteten entschieden.

  1. Station: Erstversorgung durch die „Jugendhilfe Flüchtlinge“

Im nächsten Schritt erfolgt die Erstversorgung durch die „Jugendhilfe Flüchtlinge“. In dieser Zeit finden Gespräche, eine Gesundheitsprüfung und die Entscheidung über eine weitere Verteilung statt. Im Falle eines Verbleibs in Hamburg kommt es zu einer ausländerbehördlichen Prüfung und der Anmeldung zu einem Sprachkurs. Der „Fachdienst Flüchtlinge“ des Jugendamts soll außerdem klären, welche Hilfe die Person benötigt.

  1. Station: Anschlusshilfe

Zuletzt steht die Anschlusshilfe. Die Jugendlichen kommen in Wohngruppen, Jugendwohnungen, ambulantem betreutem Wohnen oder betreuten Einrichtungen für Flüchtlinge unter. An dieser Stelle gibt uns Frau von der Decken eine interessante Information – entgegen Gerüchten um verschwundene minderjährige Geflüchtete seien diese meist schlicht weitergezogen.

Die Institution reagiert auf sich verändernde Bedürfnislagen

Frau von der Decken und Herr Stahlhöfel erzählen uns von den wandelnden Herausforderungen, die aus dem Rückgang der Zahlen Ankommender resultieren. Diese seien zeitweise so niedrig, dass Hamburg Geflüchtete aus Schleswig-Holstein aufnehme, um den bundesweiten Schlüssel der Erstversorgung zu erfüllen. Trotzdem gilt es heute sehr viel weniger Kinder und Jugendliche zu versorgen, während sich zugleich die Bedürfnisse der Anwesenden wandeln. In Reaktion darauf werden nun Erstaufnahmen in dauerhafte Hilfe-Einrichtungen umgewandelt und eine Differenzierung des Angebots vorangetrieben. So werden Einrichtungen geschaffen, die auf besondere Bedarfe ausgerichtet sind, wie zum Beispiel sogenannte Clearingstellen für Jugendliche mit Traumata und/oder deviantem Verhalten. Diese Einrichtungen zeichnen sich durch einen besonders hohen Betreuungsschlüssel aus. Dennoch können die Stellen nicht im gehabten Umfang aufrechterhalten werden und wurde die Zahl der Mitarbeiter/innen der Jugendhilfe Flüchtlinge von 400 auf ca. 250 reduziert. Herr Stahlhöfel meint: „Die Herausforderung des Abbaus ist mindestens genauso groß wie die des Aufbaus“.

Wir verlassen das Gelände des KJND um zahlreiche Informationen reicher und sind schwer beeindruckt von der Motivation unserer Gastgeber.

Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) & Projekt Work and Integration for Refugees Hamburg (W.I.R.)

„Womit wir nichts zu tun haben, ist die Anerkennung von Führerscheinen.“

– Michael Gwosdz, Projektleitung Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) –

Die Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) berät hinsichtlich der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und richtet sich damit an Migrant/innen im Allgemeinen sowie an Menschen deutscher Staatsangehörigkeit. „In der Beratungssituation ist für uns die ‚Staatsangehörigkeit‘ des Abschlusses relevanter“, sagt Michael Gwosdz, unser Gesprächspartner. Er ist Leiter der ZAA, einem Projekt der Diakonie Hamburg, das 12 Mitarbeiter/innen umfasst.

Seit 2010 hat die ZAA etwa 8.500 Menschen beraten, von denen sich ca. 10% zum Zeitpunkt der Beratung noch im Ausland befanden. Hält sich jemand in Deutschland auf, wird im Regelfall per Telefon ein Termin vereinbart und daraufhin findet eine Beratung in den Räumlichkeiten der ZAA am Großen Burstah oder aber auch in Erstaufnahmen und anderen Unterkünften statt.

Die ZAA ist ein Teilprojekt des NetzwerksWork and Integration for Refugees Hamburg. Integration von Geflüchteten in Arbeit“ (W.I.R.), und Michael Gwosdz versucht uns einen Überblick desselben zu verschaffen. Obwohl das kein Leichtes ist („Kein Mensch in der Bundesrepublik durchsteigt das.“), bleibt Folgendes in Erinnerung: Das W.I.R. vereint sämtliche Akteure, die daran beteiligt sind, Geflüchtete beim Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen, unter einem Dach. Agentur für Arbeit, Jobcenter, Beratungsstellen, Projekte, Handels- und Handwerkskammer sollen so effektiver zusammenarbeiten. Das gehe zwar nicht ohne Komplikationen vonstatten, doch Michael Gwosdz hebt die schnellen Abläufe in der Zusammenarbeit hervor und zieht ein positives Fazit.

Ein Aspekt, der in der Zusammenarbeit des W.I.R. behandelt wird, ist die Frage der Übernahme von Kosten. Diese, so Gwosdz, stellen ein wesentliches Problem dar. In der Öffentlichkeit werde viel über Verwaltungskosten gesprochen, dabei seien andere Bereiche viel ausschlaggebender. So könnten sich die Kosten, welche für die Übersetzung von Studienzeugnissen anfallen, auf 5.000 bis 12.000 Euro belaufen. Dies sei auch das Resultat einer veränderten Anerkennungspolitik: Weg von einem formalistischen Vorgehen, das eine Ausbildung beispielsweise anhand ihrer Dauer beurteilt, hin zu einer eingehenderen Beurteilung der im Ausland durchlaufenen Ausbildung. Hinzu kämen dann noch Kosten für die erforderlichen Nachqualifizierungen, wie zum Beispiel Spracherwerb, sowie indirekte Kosten, wie für Fahrten und Kinderbetreuung.

Neben der Beratung zu diesen Kosten (Welche Kosten fallen an und von wem werden sie gegebenenfalls übernommen?) besteht eine Aufgabe der ZAA darin, Klient/innen an diejenigen weiterzuleiten, die für eine Anerkennung zuständig sind. Wer ist für die Anerkennung zuständig? „Das ist in Deutschland ein bisschen Wirrwarr.“ Im Falle eines handwerklichen Berufs ist es beispielsweise die Handwerkskammer. Ein Weg zur Anerkennung eines ausländischen Abschlusses kann demnach wie folgt verlaufen: Beratung in der ZAA, eine Weiterleitung an das Projekt Mission Zukunft für eine Nachqualifizierung und abschließend das Abnehmen einer Prüfung durch die Handwerkskammer.

Insgesamt lasse sich von großen Verbesserungen sprechen, so Michael Gwosdz: Seit dem Berufsverbot von viereinhalb Jahren, das früher für Flüchtlinge galt, habe sich viel getan. Nichtsdestotrotz würden oftmals die Realitäten der Geflüchteten übersehen.

fördern und wohnen Rodenbeker Straße – Wohnunterkunft in Bergstedt

Die Wohnunterkunft in der Rodenbeker Straße ist eine Folgeunterbringung in der Trägerschaft von fördern und wohnen, Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR). Sie hat eine Kapazität von 364 Plätzen. Die Standortleitung erläuterte in einem ausführlichen Gespräch zunächst die einzelnen Stationen im Asylverfahren – um dann auf die Herausforderungen im Alltagsgeschäft des UKSM, Unterkunft- und Sozialmanagements in der Einrichtung zu sprechen zu kommen.

Unter den insgesamt 360 Bewohner/innen sind sehr viele Familien. Zwei bis drei Familien wohnen in einer Wohneinheit zusammen. Der Betreuungsschlüssel ist in der Folgeunterbringung verhältnismäßig niedriger als in Erstaufnahmen. Das Spektrum von Beratung und Unterstützung aber ist bleibend breit: Bearbeitung und Verwaltung der Bewohnerakten, Verweisberatung, Vereinbarung von Arztterminen, psychische Beratung und Vermittlung an Experten, Streitschlichtung, Suche nach Nachhilfelehrern… Vor allem sei es ziemlich schwierig, Plätze in KiTas und Grundschulenfür die Kinder zu organisieren. 

Im Gegensatz zur Erstaufnahme gibt es em Eingang zur Wohnanlage keinen Sicherheitsdienst und keine externe Versorgung mit Mahlzeiten. Die Bewohner/innen können in ihren Zimmern selbst kochen. Der nächste Schritt in selbständiges Wohnen wäre der Bezug einer privat angebotenen Mietwohnung – oder die Unterbringung in so genannten UPW – Unterkünften mit Perspektive Wohnen, die in jedem Stadtteil entstehen sollen.

Im Anschluss an den Austausch mit der Standortleitung hatten wir Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch mit Bewohnern. Da die Unterkunft sehr weit abgelegen ist, wurden verschiedene Ideen entwickelt, die jungen Männer mal in die Stadt zu locken – zur Laufrunde um die Alster, die ein Studierendenteam wöchentlich veranstaltet, zum gemeinsamen Picknick am Ende des Semesters, oder auch zum Gärtnern auf dem Gelände in Bergstedt. Vielleicht ergibt sich noch mehr!

ELBCAMPUS Kompetenzzentrum Handwerkskammer Hamburg, Projekt Mission Zukunft

„Wir raten immer zur Ausbildung oder Qualifizierung“

Magdalene Pranga, Koordinatorin Bildungsmanagement des Projekts „Mission Zukunft“

Am 31. Mai besuchten wir den Elbcampus, das Schulungszentrum der Handelskammer Hamburg, um dort das Projekt „Mission Zukunft“ näher kennenzulernen. Frau Pranga, Koordinatorin Bildungsmanagement, Projekt Mission Zukunft, konnte uns dabei sowohl spannende Einblicke in den Schulungsalltag der Handwerkskammer als auch wesentliche Informationen zu ihrem Projekt und dessen Vernetzung bieten.

Bei „Mission Zukunft“ handelt es sich um ein trägerneutrales Projekt, das zwar am Elbcampus ansässig ist und eng mit der Handwerkskammer zusammenarbeitet, jedoch unabhängig von diesem besteht. 14 Mitarbeiter/innen beraten hinsichtlich Anpassungs- und Nachqualifizierung in Hamburg – in der derzeitigen Form wird das Projekt bis Ende 2018 bestehen.

Als Teil des bundesweiten IQ-Netzwerks und des Hamburger Teil-Netzwerks NOBI beriet „Mission Zukunft“ ehemals vor allem Menschen mit Berufsabschluss, hat sich mittlerweile jedoch auf eine andere Zielgruppe umorientiert: Da viele Geflüchtete ohne Berufsabschluss oder Dokumente, die einen solchen bescheinigen, in Deutschland ankommen, richtet sich das Projekt nun nach diesen Realitäten.

So organisieren Frau Pranga und ihre Mitarbeiter/innen regelmäßig Aktionswochen, in denen Menschen mit Berufserfahrung ihre Kompetenzen austesten und Einblicke in die deutschen Besonderheiten ihres Berufsfelds gewinnen können. Unter Mottos wie „Pflege & Gesundheit“ oder „Metall – Schweißen – Elektro“ wird praktisch gearbeitet, finden Bewerbungstrainings statt und wird eine Arbeitgeberbörse geboten.

Außerdem beraten sie zu externen Prüfungen – also dem Nachholen eines Berufsabschlusses bei ausreichender Berufserfahrung, Vorbereitungskursen, Sprachanforderungen und -förderung.

Auf dem Elbcampus befinden sich viele Räumlichkeiten, die Rahmenbedingungen von Berufen simulieren und in denen solche Prüfungen und Qualifizierungen stattfinden. Während unseres Besuchs konnten wir einen Einblick in „Überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen im Handwerk“ (ÜLU) für Friseur/innen und Bäcker/innen gewinnen sowie die Schweißerwerkstatt des Campus besichtigen und mit Ausbildern und Auszubildenden sprechen. Neben all der Professionalität bleibt vor allem die auf dem Campus omnipräsente gute Laune in Erinnerung.

SCHURA – Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V. / Al-Nour Moschee

„Die Herausforderung der jüngsten Migrationswelle geht uns alle an.“
Daniel Abdin sieht auch religiöse Institutionen in der Pflicht.

Am 17. Mai besuchten wir die al-Nour Moschee in St. Georg. Es empfingen uns Daniel Abdin, Vorsitzender der Schura (Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V.) und des Islamischen Zentrums Al-Nour e.V., sowie der erste und zweite Imam der al-Nour. Die Moschee wurde als Exkursionsziel gewählt, da sie sich – besonders, doch nicht ausschließlich im Jahr 2015 – durch ihr Engagement für in Hamburg ankommende Geflüchtete hervorgetan hat.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der al-Nour Moschee gab uns Herr Abdin einen allgemeinen Eindruck von der Größe und Zusammensetzung der Gemeinde sowie deren Selbstverständnis (2.500 Gläubige kommen jeden Freitag zum Gebet in die Moschee!). Das Engagement der Gemeinde, für das sie mit verschiedenen Preise ausgezeichnet wurde, versteht Abdin als humanitäre Verantwortung gegenüber Menschen jedweder Herkunft und jeden Glaubens.

Konkret bezog er dieses Selbstverständnis auch auf das Engagement, das 2015 in der Moschee stattfand: Als täglich zahlreiche Geflüchtete in Hamburg ankamen, bot die al-Nour Moschee diesen in ihrem Gebetsraum Schlafplätze an. Pro Nacht kamen so 200 bis 600 Menschen unter, wurden mit Speisen und Kleidung versorgt und konnten Seelsorge in Anspruch nehmen. Neben der Unterstützung durch Hamburger Kirchen beteiligten sich zahlreiche weitere äußere Akteure, beispielsweise durch Essensspenden und Hilfe bei der Übersetzung. Neben dieser sofortigen Hilfe leisten Mitglieder der Gemeinde unter anderem im Rahmen des Projekts „Integrationspunkt Hamburg“ Beratung und Unterstützung verschiedener Art.

Abdin betonte während seines Vortrags, dass er religiöse Institutionen in der Verantwortung sehe, beim Abbau von Vorurteilen und bei der Bewältigung von Traumata zu helfen, respektvolles Miteinander zu vermitteln und Demokratie vorzuleben. Er sei stolz auf die Arbeit aller Helfer/innen und bedaure zugleich, dass die anfängliche Euphorie abgenommen habe.

Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW)

„Wir dürfen nie aufhören, Wohnungen zu bauen.“

– Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg –

Unser Gesprächspartner Ole Jochumsen ist seit Ende 2015 in der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) als „Koordinator Wohnungsbau für Flüchtlinge“ tätig und für das Senatsprogramm „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ verantwortlich. Dieses Programm soll die Unterbringung der nach Hamburg kommenden Geflüchteten mit der Schaffung von (Sozial-)Wohnungen verbinden. Er hat uns über die Struktur und die Zuständigkeiten der Behörde aufgeklärt, anhand einer Karte erläutert, an welchen Standorten in Hamburg derzeit Geflüchtete untergebracht sind und welche Strategien die Stadt verfolgt, um diese Menschen in „normalen“ Wohnraum zu integrieren.

 
 

„Mit dem Neubau von insgesamt 10.000 Wohnungen im Jahr haben sich der Senat und seine Kooperationspartner aus der Wohnungswirtschaft für die neue Legislaturperiode (2015–2021) viel für den Wohnungsneubau in der Hansestadt vorgenommen.“ (Quelle: http://www.hamburg.de/neubau-in-hamburg/) Davon sollen jährlich 3000 geförderte Mietwohnungen entstehen.

„Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“

Besonders hervorgehoben hat Jochumsen das Expresswohnungsbau-Vorhaben „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ des Senats, bei dem in kürzester Zeit 800 Wohnungen mit günstigen Mietpreisen errichtet und für 15 Jahre exklusiv von Menschen mit Fluchtgeschichte bewohnt werden sollen. Diese entsprächen in Grundriss und Ausstattung dem Standard des „sozialen Wohnungsbaus“ (vgl. auch http://www.foerdernundwohnen.de/wohnen/einrichtungen-fuer-wohnungslose-menschen-und-zuwanderer/unterkuenfte-perspektive-wohnen.html). Später sollen sie als Sozialwohnungen genutzt werden. Leider verzögert sich der Bau, sodass die Fertigstellung stetig verschiebt.

Zwei weitere wichtige Aspekte bei so großen Bau- und Stadtentwicklungsvorhaben wurden im Gespräch mit Ole Jochumsen deutlich: die Frage von Zeitpunkt, Umfang und Art von Bürgerbeteiligung, d.h. Einbindung der Anwohner im Stadtteil. Und zum anderen die Problematik, die Isolation neu entstehender Siedlungen und damit Gentrifizierung in der Stadt zu vermeiden und kulturelle und soziale Durchmischung herzustellen. Integrative Konzepte sind theoretisch angedacht, etwa durch die Errichtung „normaler“ Sozialwohnungen in direkter räumlicher Nähe; allerdings ist auch hier nicht sicher, ob eine Umsetzung in absehbarer Zeit möglich ist.

Vornehmlich strukturschwache Stadtteile

Auf der Karte „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ (vgl. Foto) zeigt sich deutlich, dass in eher strukturschwachen Stadtteilen gebaut wird. Wird die Infrastruktur noch „nachgerüstet“? Ole Jochumsen erklärt, dass alle Standorte mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar seien und an einigen Stellen sicher ein Supermarkt neu eröffnet wird. Von der Idee, je eigens eine KiTa, eine Schule, ein Ärztehaus u.a. vorzusehen, distanziert man sich bewusst, um die Isolation der Bewohner dadurch nicht noch zu verstärken.

Wer unter den Geflüchteten hat Anspruch auf einen Umzug in eine eigene Wohnung aus dem Bauprogramm?

Die Träger der Unterkünfte gehen direkt auf die jeweiligen Haushalte/Familien zu, und zwar sehr kurzfristig. Insgesamt ist die Dauer der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften zu lang, es gibt viele Fälle von sogenannten Überresidenten. Bei der Vermittlung werden Menschen bevorzugt, die eine gute Bleibeperspektive und nachweislich gute Integrationsansätze haben sowieMenschen mit psychischen Belastungsstörungen oder körperlichen Einschränkungen (vgl. auch http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4612224/2015-10-06-bsw-fluechtlingsunterkuenfte-perspektive-wohnen/).

Der Umzug in eine eigene Wohnung bedeutet einen deutlichen Sprung in der Lebensqualität, endlich ist eine selbstbestimmte Lebensführung möglich, sind die Menschen nicht mehr auf Gemeinschaftsverpflegung angewiesen, ganz abgesehen von Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten.

Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB)

Klarer Appell an Ehrenamtliche: Strukturen sind da!

Am 12. Mai 2017 besuchten wir das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB), das als Landesbehörde der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) untergeordnet ist. Von Beate Kruse, der Referatsleiterin „Übergangsmanagement und berufliche Qualifikation“, wurden wir in die Aufgaben der Behörde und die Strukturen der Bildungsangebote eingeführt, die schulpflichtige Geflüchtete in Hamburg durchlaufen.

Neu Zugewanderte ab einem Alter von 16 Jahren werden durch das Informationszentrum des HIBB datenrechtlich als schulpflichtig erfasst, beraten und dann einer geeigneten Ausbildungsklasse zugewiesen; sind sie unter 16 Jahre alt, erfolgt die Beratung und eine Zuweisung in Internationale Vorbereitungsklassen (IVK) oder Basisklassen im Schulinformationszentrum (SIZ) des HIBB. Momentan besuchen 2750 solcher Jugendlicher ALPHA F- und AVM-Dual-Klassen. Während erstere die Alphabetisierung von Schüler/innen ohne Kenntnisse des lateinischen Alphabets zum Ziel haben, sollen letztere auf ESA (Erster Schulabschluss)- oder MSA (Mittlerer Schulabschluss)-Prüfungen vorbereiten.

Für die Dauer von zwei Jahren lernen Schüler/innen an 35 der berufsbildenden Schulen in Hamburg Deutsch, belegen Fächer wie Mathematik und Englisch und machen an zwei Tagen pro Woche Praktika in unterschiedlichen Betrieben. Diese Praktika sollen Einblicke in Berufe gewähren und zugleich durch das außerschulische Umfeld den Spracherwerb fördern. Die AVM-Dual-Klassen werden von einem Mentoringprogramm begleitet und setzen einen wesentlichen Schwerpunkt auf gemeinsame Reflexion innerhalb der Klassen. Um erfolgreich Praktika anbieten zu können, findet eine rege Zusammenarbeit des HIBB mit zahlreichen Akteuren statt. So tauscht sich das Institut regelmäßig mit Vertretern von Behörden und Wirtschaft über mögliche Programme aus. Das Motto lautet: „Informieren – diskutieren – sich abstimmen“.

Insgesamt zeichnete Frau Kruse ein positives Bild: Trotz hoher Anforderungen an die Flexibilität von Schulen, Betrieben, Mentor/innen und nicht zuletzt neu zugewanderten Schüler/innen verzeichnet das HIBB Zahlen zu Praktikumsversorgung und Ausbildungsabschlüssen, die für eine nachhaltige Entwicklung sprechen.

Hintergrund: Das HIBB ist für die Steuerung, Beratung und Unterstützung Hamburger Schulen sowie für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung und die Schulaufsicht zuständig. Das Referat „Übergangsmanagement und berufliche Qualifizierung“ bietet eine Schullaufbahnberatung für neu zugewanderte Jugendliche sowie Ausbildungsvorbereitung, Berufsqualifizierung sowie Berufs- und Studienorientierung an.

How to – a refugee’s guide to Germany (Zwischenstand Dezember 2016)

Ein Medienprojekt beginnt mit einem Motiv. Motive gehen viral, motivieren und beschwören einen gemeinsam erarbeiteten Grundgedanken herauf, lassen ihn greifbar werden. Letztendlich hat er sich zu einem Konzept verdichtet, das da lautet: Kommunikation ist alles. Dank einiger Gespräche, in denen man über den Smalltalk hinaus wirklich für sein Gegenüber Interesse zeigen konnte, stehen wir nun (nach wie vor) in den Startlöchern zum Dreh eines ersten Videos.

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How To: A Refugee’s (Video) Guide to Germany (Zwischenstand November 2016)

Zielsetzung und Vorgehen

Ziel des Projekts ist die Einrichtung und die Pflege eines Youtube-Kanals.

Ausgenutzt werden soll dafür vor allem der Trend hin zu kurzen, aussagekräftigen Youtube-Videos als Informations- und Bezugsmedium einerseits, zum anderen die Tatsache, dass die meisten Menschen und insbesondere Geflüchtete in Deutschland aus naheliegenden Gründen ein Smartphone besitzen. Continue reading

Die Flucht (Februar 2017)

Zu Beginn unserer Flucht wurde Irak noch als „sicheres Herkunftsland“ eingestuft. Vielleicht deshalb, weil in Bagdad noch nichts Ausschlaggebendes passiert ist. In den kleineren Städten und Dörfern war dies jedoch nicht der Fall, was allerdings nicht ausreichend berücksichtigt wurde. So verließen wir unsere kleine Stadt und hielten uns bei meiner großen Schwester „versteckt“ – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wir konnten nicht mehr zur Arbeit gehen, da der Arbeitsweg einfach zu unsicher war. Jedes Mal besteht die Möglichkeit, dass dir ein Dschihad-Kämpfer begegnen könnte oder eine Bombe hochgeht oder, oder, oder. Es war einfach zu riskant und gefährlich.

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Flashback (Dezember 2016)

Mein Name ist Mohamed und ich bin 22 Jahre alt. Seit inem Jahr und 3 Monaten lebe ich nun in Deutschland mit meinen Eltern und meiner kleinen Schwester Fatima, die hier zur Schule geht. Der Weg hierher war lang, beschwerlich und teuer – etwa 10.000$ hat es mich und meine Familie gekostet diesen Weg aus Bagdad hier her auf uns zu nehmen, um ein neues Leben zu beginnen. Wir haben viel hinter uns gelassen – unser Haus, unser Hab und Gut, unser Leben. Aber was ich nicht hinter mir lassen kann, ist ein prägendes Ereignis, das ich mit euch teilen möchte.

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Geflüchtete und der Immobilienmarkt (Schlussreflexion Januar 2017)

Rückblick und Ausblick

Als wir uns zum ersten Mal zusammensetzten und über mögliche Projektideen redeten, kristallisierte sich schnell das Thema des Immobilienmarktes heraus. B. erzählte mir, was er sich vorgestellt hatte und ich konnte ihm bestätigen, dass der Immobilienmarkt für Geflüchtete eine schwere Hürde auf dem Weg der Integration sei. Continue reading

Arbeit mit gehörlosen Geflüchteten (Schlussreflexion März 2017)

Im Laufe des Semesters habe ich mich unregelmäßig mit H. getroffen. Er ist zu 80% schwerhörig und will Deutsch lernen. Die deutsche Gebärdensprache beherrscht er schon sehr gut, möchte aber gerne die deutsche Lautsprache besser können und sich darin verständigen können. Mit diesem Projekt haben wir versucht dem einen Schritt näher zu kommen.

 

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Arbeit mit gehörlosen Geflüchteten (Zwischenstand Januar 2017)

Was hat sich seit deiner letzten Präsentation im Seminar entwickelt?

Seit der letzten Präsentation haben wir uns öfter und regelmäßiger getroffen als zuvor. Es ist leider nicht immer so einfach uns zu treffen, weil mein Sprachpartner in Niedersachsen wohnt und es auch relativ schwierig ist in meinem Kalender genug Zeit zu finden. Wenn wir uns treffen, fällt es mir manchmal schwer einschätzen zu können, mit welchen Themen wir uns mehr auseinandersetzen müssen, damit er auch Neues lernt und was vielleicht noch zu anspruchsvoll ist.

 

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Fahrradkurs von Frauen für Frauen (Zwischenstand Januar 2017)

Es gibt Neuigkeiten von unserer Fahrradschule!

Vergangene Woche am Mittwoch…

… startete ein Teil unserer Gruppe voller Motivation an der Zentralen Erstaufnahme. Wir trafen auf eine Gruppe von erwartungsfreudigen Frauen. Dann der Schreck: Es waren wider der Vereinbarung keine Fahrräder vor Ort. Die Enttäuschung war auf beiden Seiten groß. Wir ließen uns dennoch nicht davon unterkriegen, sondern warben trotzdem fleißig mit unseren Flyern und erstellten eine Liste, auf der sich alle Teilnehmerinnen eintragen konnten. Dann verabredeten wir uns für den Freitag.

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Arbeit mit geflüchteten Frauen (Zwischenstand Dezember 2016)

Der aktuelle Stand

  • Vorbesprechung mit „Luthergemeinde Bahrenfeld“ (Herr Baudisch)
  • Fahrradprojekt: Geflüchtete Frauen haben den Wunsch geäußert Fahrradfahren zu lernen
  • Mobilisierung durch Flyer in Unterkunft —> Ab dem 13.12.16
  • Herr Baudisch nicht erreichbar bis 13.12.16
  • Kontakt zu Verkehrspolizistin (Frau Keller) für Sicherheit im Straßenverkehr
  • Projektstart: Januar 2017, Mittwochs und Freitags, jeweils von 10:00-12:00 Uhr
  • Kinderbetreuung bei Bedarf
  • Kostenvoranschlag an „Die Linke“ (Für Helme, Stradtrad und Knieschützer) —> Fahrradwerkstatt kontaktieren

 

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Arbeit mit geflüchteten Frauen (Zwischenstand November 2016)

Mit unserem Projekt von Frauen für Frauen möchten wir geflüchteten Frauen die Möglichkeit geben, in entspannter Atmosphäre die Stärken der Frauen hervorzuheben und somit das Selbstbewusstsein für das Leben in einer gleichberechtigten Gesellschaft zu fördern.

Ein persönliches Treffen mit der Einrichtung „Flüchtlingshilfe Luthergemeinde Bahrenfeld“ findet am Dienstag, 15. November 2016, um 16:00 Uhr statt. Telefonisch wurde mit einem der Betreuer unser Anliegen, Ideen und Wünsche vorgestellt. Ein passendes Projekt, welches sich mit ihm und unseren Vorstellungen deckt, lautet: geflüchteten Frauen das Fahrradfahren beibringen.