Abschiebung

Meine Angst vor der Abschiebung, die mich seit Jahren ständig begleitet, hat sich heute endgültig als berechtigt erwiesen. Der Brief kam heute Morgen mit der Post. Ich bin fassungslos. In wenigen Tagen muss ich Deutschland verlassen und werde meine Familie vermutlich nicht wieder sehen. In diesen letzten Momenten mit meinem Sohn fällt es mir schwer, ihm in die Augen zu sehen. Ich glaube nicht, dass er begreift, was hier vonstattengeht.

Es wird gesagt, es sei sicher, doch selbst wenn das wahr wäre, würde Sicherheit allein mir nicht genügen. Ich habe jeglichen Bezug zu meinem Herkunftsland verloren. Deutschland ist mein Zuhause. Der Krieg in Sierra Leone mag vorbei sein, aber ich kenne dort niemanden mehr und ich habe kein Geld. Ich werde auf der Straße landen. Das ist die einzige Sicherheit, die ich im Moment habe. Meine Frau sagte vorhin, sie wolle mitkommen – mit unserem Sohn. Aber das werde ich nicht zulassen.

 

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