Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) & Projekt Work and Integration for Refugees Hamburg (W.I.R.)

„Womit wir nichts zu tun haben, ist die Anerkennung von Führerscheinen.“

– Michael Gwosdz, Projektleitung Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) –

Die Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) berät hinsichtlich der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und richtet sich damit an Migrant/innen im Allgemeinen sowie an Menschen deutscher Staatsangehörigkeit. „In der Beratungssituation ist für uns die ‚Staatsangehörigkeit‘ des Abschlusses relevanter“, sagt Michael Gwosdz, unser Gesprächspartner. Er ist Leiter der ZAA, einem Projekt der Diakonie Hamburg, das 12 Mitarbeiter/innen umfasst.

Seit 2010 hat die ZAA etwa 8.500 Menschen beraten, von denen sich ca. 10% zum Zeitpunkt der Beratung noch im Ausland befanden. Hält sich jemand in Deutschland auf, wird im Regelfall per Telefon ein Termin vereinbart und daraufhin findet eine Beratung in den Räumlichkeiten der ZAA am Großen Burstah oder aber auch in Erstaufnahmen und anderen Unterkünften statt.

Die ZAA ist ein Teilprojekt des NetzwerksWork and Integration for Refugees Hamburg. Integration von Geflüchteten in Arbeit“ (W.I.R.), und Michael Gwosdz versucht uns einen Überblick desselben zu verschaffen. Obwohl das kein Leichtes ist („Kein Mensch in der Bundesrepublik durchsteigt das.“), bleibt Folgendes in Erinnerung: Das W.I.R. vereint sämtliche Akteure, die daran beteiligt sind, Geflüchtete beim Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen, unter einem Dach. Agentur für Arbeit, Jobcenter, Beratungsstellen, Projekte, Handels- und Handwerkskammer sollen so effektiver zusammenarbeiten. Das gehe zwar nicht ohne Komplikationen vonstatten, doch Michael Gwosdz hebt die schnellen Abläufe in der Zusammenarbeit hervor und zieht ein positives Fazit.

Ein Aspekt, der in der Zusammenarbeit des W.I.R. behandelt wird, ist die Frage der Übernahme von Kosten. Diese, so Gwosdz, stellen ein wesentliches Problem dar. In der Öffentlichkeit werde viel über Verwaltungskosten gesprochen, dabei seien andere Bereiche viel ausschlaggebender. So könnten sich die Kosten, welche für die Übersetzung von Studienzeugnissen anfallen, auf 5.000 bis 12.000 Euro belaufen. Dies sei auch das Resultat einer veränderten Anerkennungspolitik: Weg von einem formalistischen Vorgehen, das eine Ausbildung beispielsweise anhand ihrer Dauer beurteilt, hin zu einer eingehenderen Beurteilung der im Ausland durchlaufenen Ausbildung. Hinzu kämen dann noch Kosten für die erforderlichen Nachqualifizierungen, wie zum Beispiel Spracherwerb, sowie indirekte Kosten, wie für Fahrten und Kinderbetreuung.

Neben der Beratung zu diesen Kosten (Welche Kosten fallen an und von wem werden sie gegebenenfalls übernommen?) besteht eine Aufgabe der ZAA darin, Klient/innen an diejenigen weiterzuleiten, die für eine Anerkennung zuständig sind. Wer ist für die Anerkennung zuständig? „Das ist in Deutschland ein bisschen Wirrwarr.“ Im Falle eines handwerklichen Berufs ist es beispielsweise die Handwerkskammer. Ein Weg zur Anerkennung eines ausländischen Abschlusses kann demnach wie folgt verlaufen: Beratung in der ZAA, eine Weiterleitung an das Projekt Mission Zukunft für eine Nachqualifizierung und abschließend das Abnehmen einer Prüfung durch die Handwerkskammer.

Insgesamt lasse sich von großen Verbesserungen sprechen, so Michael Gwosdz: Seit dem Berufsverbot von viereinhalb Jahren, das früher für Flüchtlinge galt, habe sich viel getan. Nichtsdestotrotz würden oftmals die Realitäten der Geflüchteten übersehen.

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