Landesbetrieb Erziehung und Bildung (LEB): Kinder- und Jugendnotdienst (KJND)

Am 16. Juni 2017 besuchten wir die Erstaufnahme des Kinder- und Jugendnotdiensts (KJND) in der Feuerbergstraße. Es empfingen uns Ilsabe von der Decken, Leiterin des KJND, und Hans-Peter Steinhöfel, Leiter der Jugendhilfeabteilung Flüchtlinge.

KJND und Jugendhilfe Flüchtlinge sind Abteilungen des Landesbetriebs Erziehung und Beratung (LEB). Der LEB ist ein kommunaler Träger und der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) untergeordnet.

Der KJND ist für die Inobhutnahme sämtlicher minderjähriger Hilfebedürftiger zuständig, der „Fachdienst Flüchtlinge“ des LEB für die Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) sowie für alle jugendamtlichen Aufgaben während der Inobhutnahme einschließlich ihrer Beendigung. Die Versorgung der UMA ist durchfinanziert, richtet sich also nicht wie in anderen Versorgungsbereichen nach der Belegung von Plätzen in der Einrichtung.

Unsere Gastgeber schildern uns das reguläre Verfahren nach der Ankunft eines unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Hamburg.

  1. Station: Vorläufige Inobhutnahme durch den KJND

Zunächst erfolgt die vorläufige Inobhutnahme durch den KJND in der Feuerbergstraße. Es wird entschieden, ob die Person in Hamburg bleibt, das Alter und die Fluchtstationen überprüft. Dass es sich bei der Altersfeststellung um ein streitbares Thema handelt, scheint uns allen bewusst zu sein. Auch Stahlhöfel nennt es ein „schwieriges Thema“, sagt aber dennoch, der Prozess sei „gut und relativ gerecht“. Die korrekte Feststellung des Alters ist erforderlich, da die Minderjährigkeit im aufenthaltsrechtlichen Verfahren insbesondere im Rahmen des erkennungsdienstlichen Verfahrens eine Rolle spielt. Für eine Inobhutnahme müssen die Voraussetzungen minderjährig/unbegleitet erfüllt sein.

Wie läuft das Altersfeststellungsverfahren ab?

Wenn die Beurteilung nach der äußeren Erscheinung Zweifel an der Minderjährigkeit zulässt, wird unter Beisein eines Dolmetschers eine Befragung durchgeführt, um die Biografie der Person zu überprüfen. Bestehen danach noch immer Zweifel, können medizinische Untersuchungen herangezogen werden, wie z.B. das Röntgen des Kiefers. „Dabei muss das Verfahren der Alterseinschätzung auf der Grundlage ethisch und wissenschaftlich vertretbarer Methoden erfolgen und zudem rechtsstaatlichen Grundsätzen genügen.“ (http://www.b-umf.de/de/themen/altersfestsetzung; vgl. auch die Broschüre „Alterseinschätzung – Verfahrenskriterien für eine kindeswohlorientierte Praxis (Juni 2015)“) In jedem Fall, so betont von der Decken, werde großzügig zum Vorteil der Geflüchteten entschieden.

  1. Station: Erstversorgung durch die „Jugendhilfe Flüchtlinge“

Im nächsten Schritt erfolgt die Erstversorgung durch die „Jugendhilfe Flüchtlinge“. In dieser Zeit finden Gespräche, eine Gesundheitsprüfung und die Entscheidung über eine weitere Verteilung statt. Im Falle eines Verbleibs in Hamburg kommt es zu einer ausländerbehördlichen Prüfung und der Anmeldung zu einem Sprachkurs. Der „Fachdienst Flüchtlinge“ des Jugendamts soll außerdem klären, welche Hilfe die Person benötigt.

  1. Station: Anschlusshilfe

Zuletzt steht die Anschlusshilfe. Die Jugendlichen kommen in Wohngruppen, Jugendwohnungen, ambulantem betreutem Wohnen oder betreuten Einrichtungen für Flüchtlinge unter. An dieser Stelle gibt uns Frau von der Decken eine interessante Information – entgegen Gerüchten um verschwundene minderjährige Geflüchtete seien diese meist schlicht weitergezogen.

Die Institution reagiert auf sich verändernde Bedürfnislagen

Frau von der Decken und Herr Stahlhöfel erzählen uns von den wandelnden Herausforderungen, die aus dem Rückgang der Zahlen Ankommender resultieren. Diese seien zeitweise so niedrig, dass Hamburg Geflüchtete aus Schleswig-Holstein aufnehme, um den bundesweiten Schlüssel der Erstversorgung zu erfüllen. Trotzdem gilt es heute sehr viel weniger Kinder und Jugendliche zu versorgen, während sich zugleich die Bedürfnisse der Anwesenden wandeln. In Reaktion darauf werden nun Erstaufnahmen in dauerhafte Hilfe-Einrichtungen umgewandelt und eine Differenzierung des Angebots vorangetrieben. So werden Einrichtungen geschaffen, die auf besondere Bedarfe ausgerichtet sind, wie zum Beispiel sogenannte Clearingstellen für Jugendliche mit Traumata und/oder deviantem Verhalten. Diese Einrichtungen zeichnen sich durch einen besonders hohen Betreuungsschlüssel aus. Dennoch können die Stellen nicht im gehabten Umfang aufrechterhalten werden und wurde die Zahl der Mitarbeiter/innen der Jugendhilfe Flüchtlinge von 400 auf ca. 250 reduziert. Herr Stahlhöfel meint: „Die Herausforderung des Abbaus ist mindestens genauso groß wie die des Aufbaus“.

Wir verlassen das Gelände des KJND um zahlreiche Informationen reicher und sind schwer beeindruckt von der Motivation unserer Gastgeber.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.