Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW)

„Wir dürfen nie aufhören, Wohnungen zu bauen.“

– Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg –

Unser Gesprächspartner Ole Jochumsen ist seit Ende 2015 in der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) als „Koordinator Wohnungsbau für Flüchtlinge“ tätig und für das Senatsprogramm „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ verantwortlich. Dieses Programm soll die Unterbringung der nach Hamburg kommenden Geflüchteten mit der Schaffung von (Sozial-)Wohnungen verbinden. Er hat uns über die Struktur und die Zuständigkeiten der Behörde aufgeklärt, anhand einer Karte erläutert, an welchen Standorten in Hamburg derzeit Geflüchtete untergebracht sind und welche Strategien die Stadt verfolgt, um diese Menschen in „normalen“ Wohnraum zu integrieren.

 
 

„Mit dem Neubau von insgesamt 10.000 Wohnungen im Jahr haben sich der Senat und seine Kooperationspartner aus der Wohnungswirtschaft für die neue Legislaturperiode (2015–2021) viel für den Wohnungsneubau in der Hansestadt vorgenommen.“ (Quelle: http://www.hamburg.de/neubau-in-hamburg/) Davon sollen jährlich 3000 geförderte Mietwohnungen entstehen.

„Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“

Besonders hervorgehoben hat Jochumsen das Expresswohnungsbau-Vorhaben „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ des Senats, bei dem in kürzester Zeit 800 Wohnungen mit günstigen Mietpreisen errichtet und für 15 Jahre exklusiv von Menschen mit Fluchtgeschichte bewohnt werden sollen. Diese entsprächen in Grundriss und Ausstattung dem Standard des „sozialen Wohnungsbaus“ (vgl. auch http://www.foerdernundwohnen.de/wohnen/einrichtungen-fuer-wohnungslose-menschen-und-zuwanderer/unterkuenfte-perspektive-wohnen.html). Später sollen sie als Sozialwohnungen genutzt werden. Leider verzögert sich der Bau, sodass die Fertigstellung stetig verschiebt.

Zwei weitere wichtige Aspekte bei so großen Bau- und Stadtentwicklungsvorhaben wurden im Gespräch mit Ole Jochumsen deutlich: die Frage von Zeitpunkt, Umfang und Art von Bürgerbeteiligung, d.h. Einbindung der Anwohner im Stadtteil. Und zum anderen die Problematik, die Isolation neu entstehender Siedlungen und damit Gentrifizierung in der Stadt zu vermeiden und kulturelle und soziale Durchmischung herzustellen. Integrative Konzepte sind theoretisch angedacht, etwa durch die Errichtung „normaler“ Sozialwohnungen in direkter räumlicher Nähe; allerdings ist auch hier nicht sicher, ob eine Umsetzung in absehbarer Zeit möglich ist.

Vornehmlich strukturschwache Stadtteile

Auf der Karte „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ (vgl. Foto) zeigt sich deutlich, dass in eher strukturschwachen Stadtteilen gebaut wird. Wird die Infrastruktur noch „nachgerüstet“? Ole Jochumsen erklärt, dass alle Standorte mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar seien und an einigen Stellen sicher ein Supermarkt neu eröffnet wird. Von der Idee, je eigens eine KiTa, eine Schule, ein Ärztehaus u.a. vorzusehen, distanziert man sich bewusst, um die Isolation der Bewohner dadurch nicht noch zu verstärken.

Wer unter den Geflüchteten hat Anspruch auf einen Umzug in eine eigene Wohnung aus dem Bauprogramm?

Die Träger der Unterkünfte gehen direkt auf die jeweiligen Haushalte/Familien zu, und zwar sehr kurzfristig. Insgesamt ist die Dauer der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften zu lang, es gibt viele Fälle von sogenannten Überresidenten. Bei der Vermittlung werden Menschen bevorzugt, die eine gute Bleibeperspektive und nachweislich gute Integrationsansätze haben sowieMenschen mit psychischen Belastungsstörungen oder körperlichen Einschränkungen (vgl. auch http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4612224/2015-10-06-bsw-fluechtlingsunterkuenfte-perspektive-wohnen/).

Der Umzug in eine eigene Wohnung bedeutet einen deutlichen Sprung in der Lebensqualität, endlich ist eine selbstbestimmte Lebensführung möglich, sind die Menschen nicht mehr auf Gemeinschaftsverpflegung angewiesen, ganz abgesehen von Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten.

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